Hof Peper/Martensen/Nielsen im Ortsteil Busholm

Entstanden vermutlich um 1950. Personen Bild oben von links nach rechts:  Unbekannt, Elli Nielsen geb. Peper, Hans Peper, Catharina Peper, geb. Claußen
Entstanden vermutlich um 1950. Personen Bild oben von links nach rechts: Unbekannt, Elli Nielsen geb. Peper, Hans Peper, Catharina Peper, geb. Claußen

Entstehung und Entwicklung des Hofes Thomas Martensen/  Peper/ Nielsen/ Busholm 1, 24870 Ellingstedt


In der Militärkarte von 1850 sind keine Gehöfte oder Häuser in Busholm zu sehen; eine Straße ist auch noch nicht eingezeichnet. Erst mit der Verkoppelung und der Düngung des sauren Moorbodens mit Mergel und der damit verbundenen landwirtschaftlichen Bewirtschaftung des Bodens entstanden hier ab Mitte des 19. Jahrhunderts erste Gehöfte (neben Martensen später Peper/Nielsen, die Familie Thomsen jetzt Arff, und Maack jetzt Wegener).

Im Rahmen  der Verkoppelung und den damit verbundenen Aussiedlungen wurde der Hof Busholm aus dem Gehöft (ehemals Hans Carstens, jetzt Lass) Westerende,  Ellingstedt, 1875 ausgesiedelt. Vermutlich war der neue Besitzer Thomas Martensen Sohn des Besitzers des ursprünglichen Hofes am Westend. Aufgrund der damals fehlenden Hoferbenordnung war es üblich, dass die Höfe so aufgeteilt wurden. Thomas Martensen war der Onkel (mütterlichseits) meines Großvaters Hans Peper.

Es wurden von einem Teil des Hofes die Ziegel abgebaut und auf Pferdewagen nach Busholm 1 verbracht. Mit diesen Ziegeln wurde das Wohnhaus mit Stall wieder aufgebaut. Wie auf dem alten Foto ersichtlich, wurde ein Teil des Stallgebäudes komplett mit Granitsteinen aufgemauert. Von diesen behauenen Granitsteinen sind nach dem Abriss dieses Stallgebäudes 1959 noch viele im Garten und in Pflasterungen zu sehen.

Nachdem die Ehefrau von Thomas Martensen im Kindbett verstarb, heiratete er wieder. Dauerhafte Konflikte des Sohnes mit der Stiefmutter  führten schließlich zum psychischen Zusammenbrauch des 11jährigen Sohnes, der sich auf den Boden des Hofes erhängte. Da das Ehepaar Martensen keine weiteren Kinder hatten, wurde der Neffe Hans Peper mit 14 Jahren im Jahre 1900 als Hoferbe auf den Hof geholt. Über den Verbleib des Ehepaares Martensen liegen mir keine Informationen vor. 

1913 heiratete Hans Peper Katharina Clausen aus Wittbekfeld (damals eine kleine Weltreise). Zu diesem Zeitpunkt war zumindest das Ehepaar Martensen nicht mehr auf dem Hof.  Meine Großmutter kam also mit 17 Jahren auf den Hof und hatte sogleich heftige Auseinandersetzungen mit der Familie meines Großvaters. Gleichzeitig zog ihr Mann in den ersten Weltkrieg. Sie bewirtschaftete den Hof zunächst alleine, dann mit Hilfe von Kriegsgefangenen. 1914 wurde meine Mutter Elli Peper geboren, 1916 mein Onkel Willi Peper, der im II.Weltkrieg 1944 fiel. Die Auseinandersetzungen meiner Großmutter mit den Pepers, die damals auf dem Hof lebten, auf dem heute Irma Zacharias lebt, führten zu wirtschaftlich sehr bedrohliche Situationen, die erst Anfang der 30iger Jahre des letzten Jahrhunderts abnahmen.

Da mein Onkel als Hofnachfolger 1944 in Rußland fiel, wurde meine Mutter Hofnachfolgerin. Sie heiratete 1948 meinen Vater Rudolf Nielsen, der viel in der Welt herumgekommen war, dann aber zusammen mit meinem Großvater den Hof bewirtschaftete. Die landwirtschaftliche Fläche vergrößerte sich zum großen Teil durch Zukauf auf 18 ha. Zusätzliche Investitionen verursachten einen permanent hohen Schuldenstand, der zeitweise die Grenzen zur Insolvenz berührte. Der Hof wurde 1979 komplett aufgegeben, nachdem bereits Ende der 60iger Jahre die Chancen staatlichen Zuschüsse - sogenannte  Abschlachtprämien - für die Kühe genutzt wurden, um die Milchwirtschaft aufzugeben.

Die  Entscheidung  für die Aufgabe des Hofes wurde bereits Mitte der 60iger Jahre vorbereitet. Angesichts des kleinen Hofes von 18 ha und den zu erwartenden Strukturreformen in der Landwirtschaft hin zu größeren Betriebseinheiten, hatte  mein Vater in weiser Voraussicht bereits frühzeitig darauf gedrängt,  mich einen anderen Beruf erlernen zu lassen.

Nach mehreren beruflichen Stationen, u.a. in Goslar, wo ich meine jetzige Frau Petra Bargheer kennenlernte, kehrte ich mit meiner Frau 1982 nach Ellingstedt zurück und baute den Hof zu Wohnzwecken um.

Bei Renovierungsarbeiten  auf dem Hof entdeckten wir im Kerngebäude außergewöhnlich große Ziegelsteine.  Vermutlich stammen diese Ziegelsteine ursprünglich von der Waldemarsmauer. Hintergrund: Die Waldemarsmauer diente bis ins 19. Jahrhundert hinein als idealer und günstiger Baustofflieferant.

 

H.W. Nielsen                                                                        

Juli 2015