Neubaugebiete in Ellingstedt

Günter Pieper hat sich ausführlich mit ehemaligen Neubaugebieten in Ellingstedt befasst und Berichte erstellt.

Der Hohendiek

 

Der Hohendiek liegt vom Zentrum Ellingstedts ausgehend (Sportplatz, Mehrzweckhalle und Feuerwehrgerätehaus)  ca. 800 m nordwärts. Er wird über die von Süden nach Norden durch Ellingstedt verlaufende Kreisstraße 9 (K9) und dem daneben verlaufenden Fuß- und Radweg erreicht. Am Buswendeplatz beginnt in Richtung Jägerkrug führend die K23. Die K9 biegt hier in westlicher Richtung nach Bockhöft und Friedrichsfeld ab. Sie durchtrennt die Wohnbebauung des Hohendiek in einem nördlichen und einen südlichen Teil.

 

 

 

Den Südrand bilden von der Liegenschaft von Ove Sieh ausgehend und in Richtung Westen dahinziehend eine Anzahl kleinerer ehemaliger Mergelkuhlen. Sie reichen bis zum Grundstück von Kai Bretthauer. Die Westgrenze bildet die Liegenschaft von Maike und Norbert Emken. Die nördliche Eingrenzung erfolgt durch die Liegenschaften von Jessen, Hansen und Möller. Am Ostrand liegt die Liegenschaft von Scherer.

 

Der Hohendiek
In diesem Bericht beschreibt Günter Pieper die Lage, den Zustand des Hohendieks vor seiner Bebauung , die Flora und Fauna sowie die Urbarmachung der Grundstücke.
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Hohendiek = Bei den Kuhlen

Weißer Sand zur Pflege der Fußböden

Der südliche der K 9 liegende Teil vom heutigen Ortsteil Hohendiek in Ellingstedt wurde 1780 bei der Verkoppelung durch den Landmesser Henneward und seinem Direktor Johann Bruyn unter der Bezeichnung “Bei den Kuhlen” in die damalige Flurkarte von Ellingstedt eingetragen.

 

Dieses dreieckige Flurstück wurde bei der Verkoppelung nicht verteilt und verblieb wohl im Eigentum der Dorfgemeinschaft. Die vielen kleine Kuhlen und Wasserlöcher waren also damals schon vorhanden und sind wohl zuvor im Laufe der Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte entstanden.

 

Diese kleinen Kuhlen und Erdlöcher haben und hatten eine eigenen kleine Geschichte, die ich (Hans-Detlef Naeve) auf Grund von Erzählungen meiner Eltern und Großeltern hiermit weitergeben möchte.

 

An dem Standort in der Gemeinde gab es in ca. 1 m Tiefe das Vorkommen einer weißen, meist wasserführenden Sandschicht. Dieser so saubere und schön weißer Sand wurde zur Pflege und zur Säuberung der Ziegelstein-Fußböden in den Häusern verwendet. Hatte man ihn ausgegraben, dann musste er an der Luft trocknen, bevor man ihn als Streugut auf den Dielen verwenden konnte. Durch ständiges Reiben mit Sand behielten die Ziegel ihre ursprüngliche Struktur und Farbe. Oft mussten die Dielen gescheuert werden, mit einem Ziegelstein und Sand, Stein auf Stein, eine kraftraubende Arbeit.

 

In den Räumen standen auf den Fußböden sogenannte Spucknäpfe bereit, denn die schrotenden (Kautabak kauenden) Männer hatten das Bedürfnis zu Spucken. Ging mal etwas daneben, so konnte man es mit dem Sand zusammenfegen. Auch verhinderte der Sand wohl, dass sich dieses Exkrement sowie auch sonstiger Schmutz an den Steinen festsetzte.

 

Es soll sogar vorgekommen sein, dass man mit dem so weißen Sand gehandelt hat. Die großen Mergelkuhlen, die es auch gab sind erst nach der Verkoppelung entstanden, denn erst nach der Eigentumsübertragung begann man verstärkt mit dem Mergeln.

 

Heute ist aus dem Flurstück ein beliebtes Wohngebiet geworden.

 Hans-Detlef Naeve

Die genauen Beschreibungen der Grundstücke und Häuser befinden sich in der Rubrik Hohendiek.

Die bauliche Erweiterung im Bereich Langacker (LA)

In der Zeit von 1953 bis 1995 fand im Bereich Langacker eine erhebliche Ausweitung in der Wohnbebauung statt. Die Aufstellung eines Bebauungsplanes durch die Gemeinde war damals noch nicht erforderlich.

 

Langacker 20 bis 30. Fotografiert Ende der 1970iger Jahre von Alfred Hansen.

Das Bauland für die Grundstücke Langacker (LA) 16, 18, 20 und 22 verkaufte der Ellingstedter Landwirt Claus Friedrich Thomsen für einen Preis von 0,55 DM/m². Als Heinz Gosch 1961 die Absicht hegte, sich ein Eigenheim auf dem westwärts daneben liegenden Flurstück  errichten zu können, erfuhr er Ablehnung bei den zuständigen Baubehörden. Durch viele beharrliche Gespräche mit Vertretern der Behörden, bei denen er durch den Ellingstedter Bauunternehmer Hellmut Hoffmann unterstützt wurde, konnte eine weitere Bebauung für die heutigen Grundstücke LA 24 bis 32 erreicht werden. Das Bauland wurde nun von Ernst Thomsen, wohnhaft in Westerende, dem Sohn des inzwischen verstorbenen Claus Thomsen, erworben. Aufgrund seiner zuvor geschilderten Bemühungen zahlte Heinz Gosch den Vorzugspreis von 1,20 DM/m². Die anderen Grundstückserwerber zahlten 1,55 DM/m².

 

Alle Grundstücke (LA 16 bis 32) waren unerschlossen. So entstanden für die Bauherren Kosten für den Stromanschluss bei der Schleswag, nach Frischwasser wurde gebohrt oder geschlagen und eine Klärgrube, der DIN entsprechend, war  aufzumauern. Das geklärte Wasser wurde verrieselt oder in einen Vorflutgraben eingeleitet. Einen Telefonanschluss erhielten erst die in den 60iger Jahren errichteten Häuser. Beim Anschluss von Strom und Telefon konnten Kosten eingespart werden, wenn der Kabelgraben in Eigenleistung ausgehoben und nach erfolgter Kabelverlegung wieder zugeschüttet wurde.

 

Anders war die Situation bei der Bebauung des Trenngrundstückes LA 18a. Beim Frischwasser war ein Anschluss an die Versorgungsleitung des Wasserbeschaffungs- verbandes Treene, und beim Strom und Gas war ein Anschluss an das jeweilige Versorgungsnetz der EON-Hanse AG zu erstellen. Die Abwasserversorgung musste an das gemeindliche Entsorgungsnetz hergestellt werden. Auch die Anbindung an das Leitungsnetz der Deutschen Telekom für Telefonfestnetz und DSL war erforderlich. Alle aufgeführten Anschlüsse waren kaum noch in Eigenleistung durchführbar und verursachten erhebliche Erschließungskosten.

 

Einige der entstandenen Eigenheime waren die damals sogenannten Landarbeiter-Siedlungen. Sie wurden mit öffentlichen Finanzmitteln gefördert. Zu erkennen waren, bzw. sind sie noch heute durch ihre Bauform. An einer der Giebelseiten integriert schließt sich ein ca. 3 m x 4 m großer Raum an. Gedacht war dieser Raum für die Haltung eines Schweines oder zweier Schafe oder von Federvieh. Zudem bot er Platz für Gartengerätschaften. Das Haus Langacker 18 ist noch eines in der beschriebenen typischen Hausform.

 

Es ist anzumerken, dass einige der Bauherren Flüchtlinge waren, die fortan Ellingstedt als ihr neues Zuhause ansahen.

 

Die genauen Beschreibungen der einzelnen Grundstücke und Häuser befinden sich in der Rubrik Langacker!