Ellingstedt und das Danewerk

von Hans-Wilhelm Nielsen

Durch die Gemeinde Ellingstedt verläuft ein Teil des insgesamt 26 km langen Danewerks, der hier eher als Margarethenwall bekannt ist. Das Danewerk, als das größte Befestigungswerk während der Wikingerzeit und größte archäologische Bodendenkmal Nordeuropas, hat in den letzten Jahren an Ansehen und Aufmerksamkeit gewonnen und ist zusammen mit der Wikingersiedlung Haithabu zum UNESCO Kulturerbe ernannt worden. Sein Ellingstedter Teil mit einer Länge von 4 km liegt im Süden der Gemeinde ungefähr 2 km vom Ortskern entfernt.  Im Herbst 2013 entdeckten zudem Archäologen bei Ausgrabungen einen wikingerzeitlichen Siedlungsplatz und gut erhaltene Überreste eines mittelalterlichen möglicherweise sogar wikingerzeitlichen Weges zwischen dem heutigen Dorf und dem Danewerk. Der Leiter des archäologischen Landesamtes bewertete den Fund „als ein Art Autobahnraststätte der Wikingerzeit“.

 

Kurze Geschichte des Danewerks                   

Die ältesten Teile des Danewerks wurden vor über 1500 Jahren vermutlich von den Danen (Dänen) gegründet. Die Danen markierten die Südgrenze ihres Reiches mit dieser Wallanlage. Sie sollte germanische Sachsen aus Holstein, slawische Abodriten aus dem östlichen Holstein und Franken aus dem großen Reich im Süden davon abhalten, in das Land einzudringen. Der Wall erhielt den Namen Danewerk, (Werk der Danen), und wurde in den nächsten Jahrhunderten immer wieder erweitert und erhöht.

 Das Tor des Danewerks aus der Zeit um 740 wurde erst vor wenigen Jahren bei Grabungen im Ort Danewerk entdeckt. Es lag dort, wo der legendäre Ochsenweg vom Limfjord bis zur Elbe die Wallanlage kreuzte. Dieses Tor war in ganz Europa als der einzige offizielle, landfeste Grenzübergang zwischen Mitteleuropa und Skandinavien bekannt.

Außerdem wurde die Festung Thyraburg in der Nähe des Haupttors errichtet. Auf einem großen Erdhügel stand vermutlich eine hölzerne Burg. Sie wurde erst später nach der Königin Thyra benannt, die Frau des Königs Gorm der Alte.

Das Danewerk hatte über sieben Jahrhunderte eine große Bedeutung als Südgrenze der Dänen. Im Jahr 811 trafen sich Gesandte des fränkischen Kaisers Karl des Großen als Führer der damaligen europäischen Supermacht und der Dänenkönig Hemming am Fluss Eider. Sie verständigten sich darauf, dass die Eider die Südgrenze des dänischen Königreichs ausmacht.

 

Im Übrigen war Dänemark im Mittelalter – insbesondere im 12. Jahrhundert – durch innere Machtkämpfe gezeichnet, die durch Waldemar I. beendet wurden, danach wieder aufflammten und sich nach dem Vertrag von Ripen beruhigten.

 

Hauptwall bei Ellingstedt
Hauptwall bei Ellingstedt

Das Danewerk behielt seine strategische Bedeutung und wurde weiterhin ausgebaut. Einer der Gründe hierfür war sicherlich auch, dass die Wallanlage gleichzeitig die wichtige Ost-West-Handelsroute zwischen der Nordsee und der Ostsee schützte. Sie verlief über die Flüsse Eider und Treene, entlang des Danewerks und über die Schlei und war zu allen Zeiten vital für die Region.

 In der Wikingerzeit wurde das Danewerk auch mit jenem Halbkreiswall verbunden, der die neue Handelsstätte Haithabu sichern sollte. Sie wuchs schnell zum wichtigsten Handelsplatz Nordeuropas. Haithabu beheimatete zahlreiche Handwerker. Hierher brachten heimische Handelsleute Waren, die sie aus der gesamten bekannten Welt holten, um sie im Norden zu verkaufen. Und hierher kamen Handlungsreisende aus fernen Ländern im Süden und Osten, um ihre Waren gegen das nordische Gold, den begehrten Bernstein, einzutauschen. Funde aus Haithabu zeigen, dass die seltenen, kostbaren Güter aus so entlegenen Orten wie dem fernen Osten stammten. Hier gab es also etwas zu beschützen. Die Wikinger waren  eine  kaufmännische Parallelgesellschaft  innerhalb der skandinavischen Staaten, insbesondere für Dänemark und Schweden.

 Aber allen Wällen und anderen Verteidigungsanlagen zum Trotz wurde Haithabu 1050 vom Norweger Harald dem Harten bis auf den Grund niedergebrannt. 1066 fielen dann auch noch slawische Krieger ein und zerstörten, was wiederaufgebaut war. Nachdem ihre Häuser wieder in Schutt und Asche gelegt wurden, gaben die Wikinger Haithabu auf und zogen an den Ort, der heute Schleswig ist.

 1658/1660 wurde das Danewerk nach Berichten von Zeitzeugen reaktiviert. Man berichtete von einer Sternschanze in Danewerk, die mit Kanonen bestückt war.

Im Ersten Schleswig-Holsteinischen Krieg (1848–1851)  wurde das Danewerk reaktiviert. Nach der Besetzung Rendsburgs durch aufständische schleswig-holsteinische Truppen kam es am 23. April 1848 zur Osterschlacht von Schleswig. Im Vorfeld der Schlacht hatten sich die dänischen Truppen am Hauptwall und am Verbindungswall verschanzt. Dabei wurden auf den Wallkronen Brustwehren aufgeworfen; auf dem Hauptwallabschnitt zwischen Rothenkrug und der Thyraburg sind sie noch gut erhalten. Am Friedrichsberger Ortsrand war auf dem Gelände der späteren Schanze II eine Batterieschanze installiert worden. Die Kampfhandlungen fanden am Verbindungswall sowie beim Busdorfer Damm statt, doch mussten sich die Dänen rasch über den Kolonnenweg und, besonders verlustreich, über Friedrichsberg zurückziehen. Schleswig-Holstein und Preußen zählten während dieser Osterschlacht 40 Tote und 366 Verwundete, die Dänen hatten 170 Tote und 463 Verwundete zu beklagen. Die Toten sind auf dem Friedhof der Dreifaltigkeitskirche von Friedrichsberg, auf dem Alten Michaelisfriedhof in Schleswig sowie vereinzelt in Schuby bestattet.

 In der Schlacht bei Idstedt fielen auf Seiten der schleswig-holsteinischen Armee 442, auf Seiten der dänischen Armee 846 Soldaten. In der Folge der Schlacht von Idstedt befestigte das dänische Heer das Danewerk erneut. Es blieb Frontlinie bis zum Kriegsende.

Senke im Hauptwall. Ehemalige Geschützstellung?
Senke im Hauptwall. Ehemalige Geschützstellung?

Von 1861 an wurde mit großem Aufwand die Danewerkstellung gebaut. Sie zog sich von Hollingstedt im Westen bis nach Kappeln an der Schlei im Osten. In der Linie Krummwall – Hauptwall – Verbindungswall errichteten dänische Pioniere 21 von 29 geplanten Artillerieschanzen. Die Schanzen I – VIII lehnten sich westlich an die Busdorfer Schlucht an und verbanden die Verteidigungslinie mit der Schlei. Die modernste Anlage war Schanze II am Busdorfer Teich, die einen betonierten Artilleriebunker besaß, den ersten seiner Art in Europa. Auf der Möweninsel, am Fuße der Halbinsel Reesholm, vor der Mündung der Hüttener Au bei Fleckeby, bei Missunde und Arnis entstanden ebenfalls starke Feldstellungen und Schanzen, die mögliche Schleiübergänge sichern sollten. Der dänische Oberbefehlshaber Christian Julius de Meza, der Sieger der Schlacht bei Idstedt vom 24. Juli 1850, ließ die Stellungen am 5. Februar 1864 jedoch räumen, da er keine sinnvolle Verteidigungsmöglichkeit sah, und zog seine Truppen zur Flankenstellung „Düppeler Schanzen“ zurück. (Zusammenfassung Alex Herz: Das Danewerk; kurzgefasster Wegweiser für Besucher 1986)

 

Schanze bei Dannewerk
Schanze bei Dannewerk

1944 sollte das Danewerk in eine großzügige, nach Norden gerichtete Panzersperranlage umgestaltet werden. 9000 Männer waren abkommandiert, um die Bauarbeiten auszuführen.

 

Zusammenfassung;

Die neuesten Ausgrabungen zeigen, dass bereits im 5. Jahrhundert der Bau des Danewerks begann. Unsere Region scheint von da an bis zum Vertrag von Ripen im 15. Jahrhundert voller kriegerischer Auseinandersetzungen gewesen zu sein. Bis ins 19. Jahrhundert verlor der Verteidigungswall an Bedeutung und diente der einheimischen Bevölkerung überwiegend als Baustofflieferant und für die landwirtschaftliche Nutzung.

 Im Gegensatz dazu hatte das Danewerk für die dänische Bevölkerung immer eine große Bedeutung und war Symbol der nationalen Abgrenzung, was von der deutschen Seite lange beschwiegen wurde. Dies führte dazu, dass sich die einheimische Bevölkerung im Gegensatz zur dänischen bis heute schwertut, das Danewerk als Teil ihrer Heimat anzunehmen.

Durch die Anerkennung des Danewerks als Weltkulturerbe gibt es die Chance, dass das Danewerk als Symbol des Trennenden hin zu einem Zeichen für Versöhnung und Völkerverständigung wird. Von der einheimischen Bevölkerung sollte das Danewerk nunmehr nicht als Last empfunden, sondern als Teil ihrer Heimat angenommen und schätzen gelernt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie bei ihrer Gestaltung einbezogen wird und Herrschaftsgebaren von Gottesgnaden ala „swatte Greet“ zu vermeiden sind.